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Michael Jürgs: Trichtert den Leuten Bildung ein!

Michael Jürgs: Trichtert den Leuten Bildung ein!

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Michael Jürgs: Trichtert den Leuten Bildung ein!
von Gereon Tönnihsen/a>
Michael Jürgs beschreibt in seinem Buch „Seichtgebiete“, wie wir uns langsam verdummen lassen.
 
 
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WZ: Herr Jürgs, sind wir so blöd, dass wir bald alle ins Dschungel-Camp gehen?

Michael Jürgs: So weit sind wir noch nicht. Aber der Dschungel um uns herum wächst langsam zu. Es ist an uns, Schneisen hinein zu schlagen und die Seichtgebiete trocken zu legen. Wie in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Lange sagt ihm keiner, dass er nichts am Leib hat, obwohl alle es sehen. Wir müssen die sein, die es sagen.

Was meinen Sie damit?

Jürgs: Es gibt Dinge, die den Verstand beleidigen. Und gewiss nicht nur meinen. Wie kann es sein, dass Mario Barth auf der Bühne herumpupst, und 70 000 Zuschauer lachen? Wieso muss sich jede Tussi in einem Menschenzoo wie bei den Superstars vorführen lassen? Klar, die Leute machen das freiwillig. Aber man muss sie doch auch vor sich selbst schützen. Wir machen vor keiner Gürtellinie mehr Halt. Wenn dann auch noch die SPD im Wahlkampf die Super-Nanny auffährt, frage ich mich: Spinnen wir jetzt total?

Wie definieren Sie „blöd“?

Jürgs: „Blöd“ ist nicht nur der Mangel an Bildung. Blöd sein kann auch, wer sieht, dass das, was er sich da anschaut oder liest, Quatsch ist, aber zu bequem ist, sich mit Anspruchsvollerem zu beschäftigen und sich lieber Bohlen oder Klum im Fernsehen anschaut. Denen ist alles wurscht. Dann gibt es noch die, die glauben besser zu sein, ignorant werden. Die Schlimmsten sind die Gärtner der Seichtgebiete. Das sind die, die uns für so blöd halten, dass sie sich zynisch zurücklehnen und uns den größten Dreck vorsetzen.

Waren wir früher klüger?

Jürgs: Nein, früher gab es genau so viele Blöde. Aber heute haben sie ihre eigenen Kanäle, in denen sie sich zur Schau stellen, und Helden, mit denen sie sich identifizieren. Das Privatfernsehen hat dazu maßgeblich beigetragen. Aber auch die Öffentlich-Rechtlichen sind teilweise verflacht.

Wundert es Sie, wenn man Sie als Oberlehrer bezeichnet?

Jürgs: Ich versuche, nicht so rüber zu kommen und habe mir extra ein Plakat an die Wand gehängt mit der Aufschrift: Vorsicht, Du kannst genau so blöd sein. Auch ich lache mal über Dinge, die unter meinem Niveau liegen.

Was kann man tun?

Jürgs: Man muss über seinen Horizont hinaus denken. Man muss aufhören, freundlich zu sein zu denen, die uns für dumm verkaufen. Und man muss sich moralische Werte bewahren, auch wenn das altmodisch klingt. Wir müssen neugierig machen auf Bildung. Und selbst neugierig bleiben.

Warum haben Sie Ihr Buch geschrieben?

Jürgs: Weil ich nicht cool bin. Ich rege mich auf. Manche werden den Kopf schütteln, wenn ich etwa sage, dass man die Leute in einen Sonderzug packen sollte, um ihnen Bildung einzutrichtern. Ich habe bewusst überspitzt. Vielleicht denken die Leute nach und sagen: Der Jürgs spinnt, aber irgendwie hat er Recht.

Aber wer blöd ist, wird Ihr Buch doch gar nicht lesen.

Jürgs: Viele halten sich ja gar nicht für blöd. Das Buch soll die Leute übers Lachen zur Erkenntnis bringen.

Hätte es „Seichtgebiete“ auch ohne Charlotte Roches Buch „Feuchtgebiete“ gegeben?

Jürgs: Das Buch hätte es gegeben, aber nicht unter dem Titel. Das war eine kalkulierte Entscheidung. „Leergut“ hätte mir als Titel auch gefallen.

Würden Sie mit Mario Barth, den Sie den „Kaiser der Blödmacher“ nennen, ein Bier trinken gehen?

Jürgs: Mario Barth ist mal von einem Menschen in einem Lokal angesprochen worden, der ein Autogramm haben wollte. Und Barth sagte: „Hauen Sie ab, ich bin nicht für jeden da.“ Mit solchen Leuten trinke ich kein Bier.