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Wirtschaft mit großen Erwartungen an Schwarz-Gelb

Wirtschaft mit großen Erwartungen an Schwarz-Gelb

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Wirtschaft mit großen Erwartungen an Schwarz-Gelb
 
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Frankfurt/Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft setzt große Hoffnungen in die kommende schwarz-gelbe Regierung. In Erwartung längerer Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke gingen die Aktienkurse der Energiekonzerne Eon und EnBW am Tag nach der Bundestagswahl steil nach oben.

Aus der Wirtschaft gibt es eine lange Wunschliste: Steuererleichterungen stehen ganz oben. Die Gewerkschaft IG BAU befürchtete hingegen Einschnitte bei den Sozialleistungen für Arbeitnehmer.

An der Börse standen Energieaktien im Fokus. «Das Wählervotum ebnet den Weg für eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland», schrieb Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim in einer Studie. Daher legten die Aktien der beiden größten deutschen Versorger Eon und RWE kräftig zu. Eon-Aktien verteuerten sich zum Nachmittag um 4,40 Prozent auf 29,45 Euro und RWE stiegen um 3,63 Prozent auf 64,45 Euro.

Von RWE hieß es, der Konzern vertraue darauf, dass Union und FDP ihre Wahlversprechen einhalten und die Weichen für Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken stellen.

Solarwerte wie Q-Cells, Centrotherm und Solarworld wurden dagegen im TecDax verkauft und büßten zwischen 1,82 und 0,31 Prozent ein. «Solarwerte dürften die Verlierer der Wahl sein», sagte ein Börsianer. Die Liberalen hatten sich für eine schnelle Kürzung von Solar-Subventionen ausgesprochen.

Die Chemie-Industrie verlangte von der neuen Bundesregierung eine steuerliche Förderung der Forschungsaktivitäten. Zudem solle die erst 2008 eingeführte sogenannte Zinsschranke wieder abgeschafft werden, mit der die Große Koalition verhindern wollte, dass internationale Konzerne in Deutschland übermäßig hohe Zinsaufwendungen abschreiben konnten. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, schlug zudem vor, die Zuständigkeiten für Energie- und Klimaschutzpolitik in einem Ministerium zu bündeln.

Der Einzelhandelsverband HDE warnte vor einer weiteren Erhöhung der Merhwertsteuer und verlangte eine Korrektur der Unternehmenssteuerreform. Es gebe zumindest begrenzte Spielräume für Steuersenkungen, erklärte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.

Die Zeitarbeitsbranche wünscht sich von der neuen schwarz-gelben Koalition im Bund ein allgemeinverbindliches Festschreiben tariflicher Mindeststandards. Auch für die Aufnahme der Zeitarbeit ins Arbeitnehmer-Entsendegesetz sprach sich der Interessenverband der Deutschen Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) am Montag in Münster aus. Hintergrund ist die Einführung der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU im Mai 2011.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat negative Erwartungen. Die Aussichten für die Arbeitnehmer hätten sich verschlechtert, weil es Bestrebungen zu weniger Kündigungsschutz und weniger Mitbestimmung geben werde, erklärte die Gewerkschaft am Montag in Frankfurt. Mit dem scheidenden Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) verliere man einen Verfechter der Mindestlöhne. «Wir vertrauen darauf, dass die Bundeskanzlerin ihr Wort hält, dass sie auch eine Kanzlerin der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sein will», erklärte der IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel

Nach Einschätzung des Commerzbank-Chefvolkswirts Jörg Krämer wird sich die Wirtschaftspolitik in Deutschland nach der Bundestagswahl allerdings nicht grundlegend ändern. Die Zweifel der Bevölkerung an der Marktwirtschaft seien zu stark gestiegen, begründet Krämer seine Einschätzung. Die gestärkten Liberalen dürften der Union jedoch auf einzelnen Gebieten Reformen abringen. Steuersenkungen dürften laut Krämer nur punktuell erfolgen. «Mit Blick auf die bedrohliche Haushaltslage könnte sich die neue Regierung auch darauf konzentrieren, das Steuersystem zu vereinfachen.»