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Umgebaut: Keiner wie wir?

Umgebaut: Keiner wie wir?

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Umgebaut: Keiner wie wir?
von Klaus Koch
Strukturwandel und Wirtschaft: In zehn Jahren ist Ikea längst geöffnet, Wuppertal noch Industriestadt und neue Gewerbefläche gefragt.

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Wuppertal. Der Döppersberg ist umgebaut und das Tor zur Stadt sieht endlich so aus, dass potenzielle Investoren nach einem ersten Blick nicht mit Schrecken in den Gliedern Reißaus nehmen; die Nordbahntrasse erhöht den Freizeitwert für die Menschen in der Stadt drastisch und lockt Touristen nach Wuppertal; die Junior-Uni hat sich im Jahr 2020 mit festem Sitz Am Brögel etabliert und zum Magneten entwickelt – einen echten Strukturwandel stellt das natürlich nicht dar.

Aber diese drei großen Projekte polieren das Image der Stadt ordentlich auf. Und ohne entsprechendes Image ist es ungleich schwieriger, die Stadt für Unternehmen interessant zu machen. Obwohl die Stadt bis zum Jahr 2020 eine Zusage des Oberbürgermeisters längst umgesetzt hat: Wuppertal ist bis dahin eine der unternehmerfreundlichsten Städte Deutschlands. Der Haken dabei: Dieses Prädikat haben sich andere Städte mittlerweile auch schon auf die Fahne geschrieben.

Sind die Zeiten der größten Jobverluste sind vorbei?

Klar ist wohl, dass Wuppertal auch künftig ein ungewöhnlich starkes industrielles Rückgrat haben wird – mit allen Chancen und Risiken. Denn Länder wie zum Beispiel China werden sich in Zukunft weniger als noch derzeit als Werkbank der Welt verstehen und auch verstärkt Entwicklungsleistungen im eigenen Land anbieten wollen. Trotzdem hat Wuppertal nach Überzeugung von Rolf Volmerig, Chef der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, den größten Anpassungsprozess und damit auch Jobverlust hinter sich, entwickelt sich zusehends zum technologie-orientierten Produktionsstandort. Einer der zahlreichen Impulse durch die Uni wird zudem dafür sorgen, dass die Gesundheitswirtschaft mehr Gewicht bekommt.

A-46-Center und Platz an der A1 als Potenzial-Fläche

Was allerdings die Gewerbeflächen angeht, steht Wuppertal schon bald wieder unter Druck: Der Engineering Park ist nach der aktuell starken Nachfrage im Jahr 2020 voll ausgelastet. Strategisch gilt es daher, den Bereich entlang der A1 (Blombach Süd) als Gewerbegebiet zu vermarkten. Die Nähe zur Autobahn und damit auch der Werbeeffekt zur Autobahn machen die Lage noch attraktiver. Gleiches gilt für das A-46-Center. Die Archon Group als neuer Besitzer der ehemaligen Happich-Hallen denkt bereits darüber nach, ob eine Sanierung oder ein Neubau auf dem rund gut 160.000 Quadratmeter bietendem Areal sinnvoller ist. Grundsätzlich gilt laut Wirtschaftsförderung wie im Engineering Park: Es geht um große Flächen, die nach Bedarf parzelliert werden. Bedarfe übrigens, die die Wirtschaftsförderung stärker als bisher im bergischen Kontext ermittelt.

Wohnfläche statt Industrieproduktion

Und ein weiterer Trend hält bis zum Jahr 2020 an: Viele längst in Wuppertal beheimatete kleinere Unternehmen mit etwa bis zu 20 Mitarbeitern suchen nach Angaben von Martin Lietz von der Wirtschaftsförderung neue modernere Standorte. Für die Bahnstraße zum Beispiel gibt es derzeit etliche Interessenten. Die Lücken, die sie an ihren alten Stätten (unter anderem entlang der Talachse) hinterlassen, werden sich aber nicht immer als Gewerbefläche wieder vermarkten lassen. Klare Aussage deshalb: Wie bei Elba entsteht im Stadtgebiet die Chance zur Errichtung neuer Wohneinheiten. Und das Nebeneinander von Wohnen und Arbeit entpuppt sich wie am Scharpenacken als Vermarktungsvorteil.

Belebung für den Handel

Und der Handel? Volmerig rechnet fest damit, dass der umgebaute Döppersberg zu einer Belebung führt – auch im südlichen Teil der Straße Wall. Kaufkraft wird in der Stadt gehalten. Für Barmen sieht er ohnehin eine gute Entwicklung. Und Ikea hat im Jahr 2020 den Betrieb längst aufgenommen, eine Eröffnung im Jahr 2014 würde Volmerig nicht überraschen.

Ungelöst: Die Zukunft junger Menschen mit Ausbildungs-Mängeln

Einer Herausforderung jedoch steht auch die Wirtschaftsförderung, die bis 2020 viel enger mit den Initiativen aus Solingen und Remscheid kooperiert, ohne Antwort gegenüber. Junge Menschen mit den Anforderungen nicht genügender Ausbildung und mit Mängeln im Sozialverhalten in Beschäftigung zu bringen, das bleibt extrem schwierig – und hat doch so viel mit der Zukunftsfähigkeit zu tun.